Die Grundschule Hiddesen – Schulporträt

Die Grundschule Hiddesen in Detmold macht wieder einmal als „MINT-freundliche Schule“ von sich reden. Die offene Ganztagsgrundschule punktet ebenso mit der OGS „Farbenland“ und dem Engagement ihres Fördervereins.

Große Ehre für die Grundschule Hiddesen aus Detmold. Am 4. Dezember 2019 nahmen Kristina Böttcher und Nikola Grünberg in Düsseldorf die Urkunde „MINT-freundliche Schule“ von Schulministerin Yvonne Gebauer entgegen. Nach 2012 und 2015 hat die Schule bereits zum dritten Mal die Auszeichnung erhalten. „Rezertifizierung“ heißt das in diesem Fall. Die Initiative „MINT Zukunft schaffen“ will die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) stärken. Für das von ihr vergebene Zertifikat wird die Qualität des MINT-Angebots immer wieder neu geprüft. „Dass eine Schule zum zweiten Mal rezertifiziert wird, gibt es nicht so oft“, ist Kristina Böttcher stolz auf diese Anerkennung.

Und Schulleiter Stefan Fromme ist stolz auf seine Kolleginnen und Kollegen. Gefragt nach dem Grund für die zahlreichen Preise, die die offene Ganztagsgrundschule schon erhalten hat, verweist er auf das Kollegium: „Ohne Kolleginnen und Kollegen wie Frau Böttcher und Frau Grünberg, die sich über das normale Maß hinaus engagieren, geht es nicht. Wir haben hier ein tolles Team.“

Schub für den MINT-Bereich

2008 begann die Grundschule Hiddesen, sich stärker auf MINT zu fokussieren, „nachdem wir gemerkt haben, dass da noch Luft nach oben besteht“, wie es der Schulleiter ausdrückt. Als die Schule sich 2011 für das „prima(r)forscher“-Programm der Deutschen Telekom Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung bewarb, um im Netzwerk von 35 Grundschulen in Baden-Württemberg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mitzuarbeiten, „haben wir zugegeben, dass wir in diesem Bereich noch unbedarft, aber willens sind“. Die Aufnahme als Pilotschule gab dem MINT-Bereich einen großen Schub.

„Es gab viel Austausch der Schulen untereinander“, erinnert sich Stefan Fromme. „Gute Referenten, zum Beispiel von der Universität Münster, und Hospitationen an anderen Schulen, auch in Brandenburg und Bremen.“ Mit der Grüneberg-Schule in Köln besteht noch heute ein Kontakt aus dieser Zeit. Im Projekt „MINTeinander“ der Deutschen Telekom Stiftung arbeitet die Grundschule zudem mit einer Kindertagesstätte und einem Gymnasium gemeinsam an dem Thema.

Nachdem die Grundschule dank des „prima(r)forscher“-Programms in Sachen Materialien laut Stefan Fromme „perfekt ausgestattet wurde“, stellte sich die Raumfrage. Mit großem Aufwand und durch eine Finanzierung des Fördervereins und der Stiftung entstand per Umbau ein Forscherlabor. Dafür konnte das Kollegium auch Ideen aus den anderen Schulen aufnehmen.

Kristina Böttcher organisierte Forschertage, um „den Kolleginnen und Kollegen Hemmschwellen zu nehmen“, die Naturwissenschaften auch ganz praktisch sichtbar zu machen. Die Mathematik- und Naturwissenschaftslehrerin stellte „Forscherkisten“ im Kollegium vor, schrieb Erklärungstexte und bildete ihre Kolleginnen und Kollegen fort. Im Laufe der Jahre überarbeitete sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen die MINT-Versuchsaufgaben. Neue Aufgaben wurden entwickelt, die wiederum fortlaufend im Kollegium vorgestellt wurden.

Forscher-AG & Co. im „Farbenland“

„Wenn die Lehrkräfte damit arbeiten wollen, springt der MINT-Funke auch auf die Schülerinnen und Schüler über. Das alles kostet Zeit, aber es zahlt sich langfristig aus“, betont Kristina Böttcher. So ist MINT an der Grundschule Hiddesen heute ein integraler Bestandteil des Schullebens, nicht nur des Unterrichts, sondern auch des außerunterrichtlichen Bereichs. „Wir haben inzwischen auch eine konzeptionelle Verknüpfung mit dem Nachmittagsbereich erreicht.“

In den MINT-Angeboten werden die Schülerinnen und Schüler mit ihren Interessen und Fragen einbezogen, sie dürfen mitbestimmen, was sie erforschen. Das hat entsprechende Wirkungen: „Für die Kinder ist das etwas Besonderes, ein echtes Highlight. Die Nachfrage nach der Forscher-AG ist so hoch, dass wir nicht einmal alle Wünsche erfüllen können. Die Begeisterung und Freude der Schülerinnen und Schüler zu sehen, ist auch für mich schön.“

Die Forscher-AG findet einmal in der Woche statt und gehört wie die Schulgarten-AG, „Natur erleben!“, „Fitte Birne“, die Medien-AG, die AG Brett- Karten- und Lernspiele oder die Basketball-AG, deren Team im April die Kreismeisterschaft gewann, zum Angebot der Offenen Ganztagsschule (OGS) „Farbenland“. Die ganztägige Bildung und Betreuung hat an der dreizügigen Grundschule, an der aktuell 300 Schülerinnen und Schüler lernen, eine lange Tradition. Das begann vor 27 Jahren, als eine Elterninitiative die „Randzeitenbetreuung“ vor und nach dem Unterricht organisierte.

Von der „Schule von acht bis eins“ zur OGS

„Bei dieser Ganztagstradition war klar, dass wir auch dabei waren, als die offene Ganztagsgrundschule vom Land als Modell aufgelegt wurde“, erinnert sich Stefan Fromme. Dennoch sei die Nachfrage zunächst zögerlich gewesen, weil „der Klassiker“ für Grundschulen damals die „Schule von acht bis eins“, also die verlässliche Schulzeit bis 13 Uhr, war. Nachdem anfangs das Ganztagsangebot bei der Fürstin-Pauline-Stiftung, einer diakonischen Einrichtung, lag, hat vor acht Jahren der Förderverein der Grundschule Hiddesen e.V. die Trägerschaft der OGS übernommen. Er ist auch weiterhin Träger der Randstundenbetreuung „Zauberwald“ mit etwa 80 Schülerinnen und Schülern. Das habe die Zusammenarbeit vereinfacht, wie der Schulleiter bilanziert. Auch eine Ferienbetreuung mit kreativen Ferienprogrammen ist so gewährleistet.

Im Schuljahr 2006/2007 war die OGS mit zwei Gruppen gestartet. Dann stieg die Nachfrage stetig an. Inzwischen nutzen rund 150 Schülerinnen und Schüler in fünf Gruppen die Ganztagsangebote der OGS „Farbenland“ an vier Wochentagen bis 16 Uhr. Für das kommende Schuljahr 2020/2021 gibt es bereits so viele Anmeldungen, dass eine sechste Gruppe eröffnet werden soll. Derzeit ist die Schule aber von ihrem eigenen Erfolg eingeholt worden: Der Ganztag stößt mittlerweile an buchstäbliche Grenzen. „Räume – woher nehmen, wenn nicht stehlen?“, fragt sich der Schulleiter.

Gerade noch vermeiden konnte er vor zwei Jahren, 20 Eltern für die OGS absagen zu müssen, indem die „Zauberwald“-Betreuung in die ehemalige Schulküche umzog. Für die sechste OGS-Gruppe ist jetzt vorerst noch eine Container-Lösung angedacht – aber wo aufstellen? Stefan Fromme hofft auf eine nachhaltige Lösung mit ansprechenden Räumen, damit die Schule ihrem Leitbild weiter gerecht werden kann: „Wir wollen die Lernfreude und Leistungsbereitschaft der Kinder erhalten, wecken und fördern!“

Gemeinsamer Wertekompass

Peter Kübler leitet die OGS „Farbenland“ und auch den „Zauberwald“. Der ehemalige Leiter eines Internats ist für Stefan Fromme ein „Glücksgriff“, mit dem die Zusammenarbeit reibungslos verläuft. Schulleitung und OGS-Leitung stehen in täglichem Kontakt. Der Schulleiter „möchte wissen, was im Ganztag läuft“. Manchmal seien es auch „ganz banale Probleme“ wie „zum Beispiel die Spülmaschinenkapazität“, die gelöst werden müssen.

Gutes Personal zu finden, ist das A und O für den Schulleiter, denn davon hängt die Qualität des Angebots wesentlich ab. „Dieser Prozess, unser Team zu finden, hat Jahre gedauert. Im Grunde bin ich 365 Tage im Jahr Personalrekrutierer. Ich muss schauen, wer fachlich und von seiner Persönlichkeit her zu uns passt.“

In der Grundschule Hiddesen sind 56 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig: Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Fachkräfte der Hausaufgabenbetreuung. Wenn mittwochs in der 6. Stunde die Kommunikations- und Austauschstunde stattfindet, sollen möglichst alle Lehrkräfte und Fachkräfte zusammenkommen und sich bereden können. „Der Ganztag ist so groß geworden, da sind Austausch und Verzahnung zwingend“, sagt Stefan Fromme. „Bei uns herrscht Einigkeit, dass es diesen Austausch geben muss, denn wir benötigen einen gemeinsamen Wertekompass.“

Es gebe natürlich Unterschiede in den verschiedenen Professionen. „Ich bin überrascht, wie gut es läuft“, so der Schulleiter. „Alle tauschen sich zum Beispiel aus, was in welcher Situation besonders geholfen hat. Dabei kommt heraus, welche unterschiedlichen Facetten die Kinder zeigen. Es gibt das Mauerblümchen am Vormittag, das nachmittags eine Rampensau ist – und umgekehrt.“ Ob Hausaufgaben aufgegeben werden, werde heute „gezielter überlegt“ als früher, weil die Hausaufgabenbetreuung deutlich vor Augen führe, wie die Schülerinnen und Schüler mit den gestellten Aufgaben zurechtkommen.

Kindersprechtag und Essen wie im Restaurant

Die Schülerinnen und Schüler verschaffen sich in der Grundschule Hiddesen auch selbst Gehör: Ab dem 2. Schuljahr werden je eine Schülerin und ein Schüler pro Klasse in den Kinderrat, genannt „Kindersprechtag“, entsandt, ein Gremium, in dem die Kinder sich über für sie relevante Themen beraten, zum Beispiel darüber, wohin der nächste Schulausflug gehen soll. Begleitet wird der Kindersprechtag von einer Schulsozialarbeiterin.

Und auf noch etwas ist Schulleiter Fromme besonders stolz: auf das Mittagessen an seiner Schule, für das OGS-Kinder automatisch angemeldet sind. Nach Anbietern, die dem Schulleiter zufolge „eine Katastrophe waren“, traf er auf einer Veranstaltung, die gar nichts mit dem schulischen Bereich zu tun hat, zufällig auf einen Caterer, der eigentlich Firmen belieferte. Der signalisierte, „dass er Spaß daran hätte, mit uns zusammenzuarbeiten“. Seitdem gibt es an der Grundschule Hiddesen ein „Essen in Super-Qualität, wie in der Gastronomie. Saisonal, was das Feld gerade hergibt, und nur einmal Fleisch in der Woche“. Was bestens zum Profil als „Gesunde Schule“ passt.

Abschließend soll noch einer Bitte des Schulleiters gefolgt werden. Gefragt nach den Geheimnissen des Erfolgs seiner Schule, ließ er ausrichten: „Sagen Sie ihren Leserinnen und Lesern, dass wir hier auch nur mit Wasser kochen.“

Zum ganzen Artikel:

https://www.ganztagsschulen.org/de/36938.php