Hiddesen muss 20 Eltern absagen

LZ-Bericht vom 27.03.2018  (von Jost Wolf)

Raumnot: Die Grundschule des Ortsteils weiß nicht, wo sie eine fünfte Ganztagsbetreuungsgruppe unterbringen soll. Den Vorschlag, die „alte Sporthalle“ zu nutzen, lehnt die Stadt ab. Deren Lösungsideen passen der Schule nicht.

Detmold-Hiddesen. Für eine fünfte Gruppe der offenen Ganztagsbetreuung fehlen in Hiddesen die Räume. Die Folge: Rund 20 Eltern wird die Grundschule für die OGS-Betreuung eine Absage erteilen müssen. Der Schulausschuss nahm das über eine Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung zur Kenntnis. Die Möglichkeit, Räume in der „alten Sporthalle“ zu nutzen, wie von der Schulleitung vorgeschlagen, sieht die Verwaltung nicht.

Dorthin sollte nach Idee der Schulkonferenz die Randstundenbetreuung umziehen, damit die OGS den jetzigen Raum der Randstundenbetreuung im OGS-Trakt nutzen kann. Derzeit sind in der ehemaligen Halle am Schulgelände fünf kleine Sozialwohnungen eingerichtet. Eine Kündigung der Mieter sei sozial bedenklich und rechtlich vermutlich nicht möglich, schreibt das Fachgebiet Immobilien.

„Wir haben nie gesagt: Die Mieter müssen dort raus“, ärgert sich Schulleiter Stefan Fromme. „Das war ein Prüfauftrag.“ Natürlich müssten für die Mieter neue Wohnungen gefunden werden, aber die Stadt baue ja gerade Sozialwohnungen am Hiddeser Berg. Auch seien natürlich Umbauten in der „alten Sporthalle“ erforderlich, „aber es wäre eine günstige Lösung auf dem Schulgelände gewesen und kein Provisorium“, sagt Fromme. „Nun werden Politik und Verwaltung die Aufgabe lösen müssen, den Eltern zu sagen, wo sie ihre Kinder nachmittags unterbringen können. Wir haben uns Gedanken gemacht.“

Besonders ärgert den Rektor, dass die jetzige Situation aus Sicht der Schule vermeidbar gewesen wäre. „Als wir vor 13 Jahren in das Thema OGS einstiegen, wurde überlegt, wie viele Gruppen in Hiddesen realistisch wären“, erinnert sich Fromme. „Wir sagten damals schon, dass es irgendwann fünf werden würden.“ Die Verwaltung sei hingegen davon ausgegangen, dass Hiddesen nie mehr als vier OGS-Gruppen haben werde. Um diese unterzubringen, hatte die Stadt damals zwei Gruppenräume gebaut. Die Schule hatte hingegen eine Aufstockung des Schulgebäudes vorgeschlagen. „Dann hätten wir einen großen Raum als Mensa nutzen können und den fünften Raum in jedem Fall gehabt“, sagt Fromme. „Mit den gleichen Investitionen wäre man wesentlich weiter gekommen.“ Mit diesem Vorschlag sei man jetzt aber – vor dem Hintergrund des Ratsbeschlusses, dass eine OGS-Erweiterung keine Baukosten verursachen dürfe – bewusst nicht wieder an die Politik herangetreten. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass es erst zum Schuljahr 2012/13 genug OGS-Anmeldungen in Hiddesen für eine dritte Gruppe gegeben habe. Außerdem sei die Schulleitung für vier Gruppen von einem wesentlich höheren Raumbedarf ausgegangen, als vergleichbare Grundschulen.

Mit der fehlenden Mensa habe man sich arrangiert, sagt Fromme: „Es findet alles in den Gruppenräumen statt. Aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, wo es nicht mehr geht. Das ist jetzt.“ Die OGS sei ausgelegt auf Gruppengrößen von 23 bis 25 Kindern. „Wir sind jetzt bei vier Gruppen à 28 Kindern.“

Die Lösungsvorschläge des Fachbereichs 2 fand die Schulleitung nicht zielführend. „Die Stadt sagt einfach: Macht doch gebundenen Ganztag“, ärgert sich Rektor Fromme. „Das würde das Problem räumlich lösen, passt aber überhaupt nicht in unser Konzept.“ Schließlich hieße gebundener Ganztag eine Teilnahmepflicht bis in den späten Nachmittag hinein. Auch deshalb sei er aus Sicht der Eltern und der Lehrerkollegen ein Auslaufmodell. „Dann kam der Vorschlag: Löst doch einfach die Willkommensklasse auf. Dabei war es ein großer Wunsch der Verwaltung, diese Klasse einzurichten.“ Außerdem betrachte die Schulleitung die intensive Sprachförderung von Kindern aus geflüchteten Familien weiterhin als notwendig. Deren Klassenraum sei auch in einem anderen Trakt und ließe sich nicht für den Ganztag nutzen.

„Beide Optionen sind innere Schulangelegenheiten mit der entsprechenden Entscheidungskompetenz seitens der Schulleitung/Schulkonferenz“, schreibt die Stadtverwaltung in ihrer Ausschussvorlage. An der ärgert Fromme, dass es sich nur um eine Mitteilungsvorlage handelt. „Ich hätte schon gedacht, dass die Politik darüber entscheiden darf.“ Dürfe sie ja, schreibt die Stadtverwaltung. Allerdings habe es den Wunsch nach einer Beschlussvorlage nicht gegeben und sein Schreiben habe Stefan Fromme auch auf Nachfrage nicht als Antrag verstanden haben wollen.

Die Politiker im Jugendhilfe- und im Schulausschuss haben die Stadtverwaltung nun gebeten, zu prüfen, ob das in der Grundschule Hiddesen untergebrachte Förderzentrum umziehen könne, um dessen Räume für die OGS nutzen zu können. „Mit uns hat darüber noch keiner gesprochen“, sagt Schulleiter Fromme. Aus seiner Erfahrung ist es optimal, das städtische Förderzentrum vor Ort zu haben. „Sollte es ausziehen, würden wir dort ein eigenes Förderzentrum einrichten.“

Wenn man OGS wolle, dann müsse man auch die Ressourcen und die Räumlichkeiten dafür schaffen. Die Nachbarstädte bauten ja auch Mensen an Grundschulen. „Neben den OGS-Gruppen haben wir ja auch noch 80 Kinder in der Randstundenbetreuung“, sagt Schulleiter Fromme. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da.“

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Lippische Landes-Zeitung, Dienstag 27. März 2018