LZ-Artikel: 400.000 Deckel gegen Polio (4.5.19)

Spende: Die Kinder der Grundschule Hiddesen haben Plastikverschlüsse zugunsten von Schutzimpfungen gesammelt

Detmold-Hiddesen(sad). Polio ist in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten keine Bedrohung mehr. Kinderlähmungen konnten effektiv durch Impfungen bekämpft werden. Dennoch gibt es immer noch Teile dieser Welt, die mit der Krankheit zu kämpfen haben wie Afghanistan. Damit Kinder dort geimpft werden können, haben die Schüler der Grundschule Hiddesen um die 400.000 Plastikdeckel gesammelt. Pro 500 abgegebene Deckel finanziert der Service-Club Rotary nämlich eine Impfung.

Nachdem Mitglieder der Elternpflegschaft nach LZ-Berichterstattung von ähnlichen Initiativen erfahren hatten, beschlossen sie, das Projekt an die Hiddeser Grundschule heranzutragen. Die Kinder seien Feuer und Flamme gewesen, berichtet Stefanie Biere von der Elternpflegschaft. Ihnen das Thema nahezubringen sei nicht schwer gewesen. Auch weil viele der Schüler ein paar Wochen zuvor einen Kika- Fernsehbeitrag gesehen hatten, der sich damit auseinander setzte. „Das Thema Impfen kennen die Kinder aus der eigenen Anschauung. Sie verstehen, dass woanders Kinder sterben, weil es ihnen an Versorgung mangelt“, erklärt Schulleiter Stefan Fromme.

Die Kinder lernten daraus auch etwas über die eigene Handlungsfähigkeit, unterstützt ihn Stefanie Biere. „Sie sehen ,Mir geht es sehr gut und ich kann etwas dafür tun, dass es anderen besser geht‘.“

Hoch motiviert seien die Kinder nicht nur zu Freunden und Verwandten gegangen, um Deckelspenden einzusammeln, sondern hätten überall im Ort Klinken geputzt. Vor allem der Markant-Markt in Hiddesen und der Rewe-Markt in Heiligenkirchen seien regelmäßig als Sammelstelle von den Schülern aufgesucht worden, erzählt die Vertreterin der Elternpflegschaft. Mitarbeiter der Märkte hätten schon eigenständig Deckel abgeschraubt, um sie den Kindern zu geben, berichten die Inhaber Rafael Skarupke und Jan Christoph Kiwitt. Das ganze habe sich wie ein Lauffeuer im Ort verbreitet. „Wir haben sehr viel Unterstützung von allen Seiten erhalten“, sagt Stefanie Bierwirt. Optisch konnten die Helfer ihren Erfolg an einem aus Draht gefertigtem „Sammelfuchs“, den sie mit den Deckeln fütterten, ablesen. „Für die Kinder wurde das zu einem sportlichem Wettbewerb“, sagt Stefan Fromme. Bis zu 80 Säcke konnten die 277 Schüler bisher füllen. „Ursprünglich waren 136.000 Deckel das Ziel, so das jedes Kind 500 Deckel für eine Impfung sammelt. Das es 400.000 geworden sind, ist unglaublich“, sagt er.

Bildunterschrift: Stolz: (von links) Kalle, Marie, Paul, Mika, Ben und Hendrik stehen vor dem Deckel-Sammelfuchs. Foto: Till Sadlowski